Dez 262012
 

Sie zu Beschreiben ist eine Herausforderung, denn klar definierbar ist diese Krankheit und deren Verlauf nicht. Sie ist zunächst einmal eine im Zentralen Nervensystem verstreut auftretende Entzündung. Das heißt, sie kann sowohl das Gehirn als auch das Rückenmark betreffen, denn sie existiert in der Myelinschicht. Diese Myelinschicht ist, ähnlich einer Isolationsschicht an einem Stromkabel, die äußerste Schicht um jeden Nervenstrang herum. Die Nervenstränge leiten die Impulse des Gehirns durch das Rückenmark bis in die Fingerspitzen. Entstehen in der Myelinschicht Entzündungsherde, wird die Impulsübertragung gestört. Wenn Entzündungsherde wieder abklingen, vernarbt das Nervengewebe. Das medizinisch korrekte Wort dafür ist Sklerose.

Multiple Sklerose (MS) bedeutet also das multiple, ergo mehrfache Vorhandensein von vernarbtem Nervengewebe. Dies geschieht Etappen- oder Schubweise, was sich wiederum in vielseitigen Symptomen zeigt.

Wie auf Watte laufen“

Einige verspüren ein Kribbeln in den Armen oder Beinen, haben Sehstörungen oder Stolpern ungewollt. Viele Berichten über ein Gefühl “ wie auf Watte zu laufen“ oder Probleme mit dem Gleichgewichtssinn. Auch Gefühlsstörungen der Haut können symptomatisch auf MS hinweisen.

Bei einem Großteil aller MS- Erkrankungen verläuft diese Schubweise. Entzündungsherde flammen auf, lösen Symptome aus und klingen danach wieder ab. Der Zeitabstand zwischen einzelnen Schüben variiert genauso sehr, wie die einzelnen Symptome. Auch die Symptome der Schübe bei einem einzelnen Patienten ist nicht gleich bleibend. In der Regel berichten viele Betroffenen nach einiger Zeit davon, dass Müdigkeit und Abgeschlagenheit. MS führt nicht zwangsläufig in den Rollstuhl. Jedoch ist der Verlauf der Erkrankung ebenso vielfältig wie die Symptome.

Verlaufsformen

Oftmals bilden sich die Erscheinungsbilder wie Taubheitsgefühl, Sehstörungen oder Missempfindungen wieder zurück. Oftmals aber auch nur unvollständig. So, dass Behinderungen bleiben. Die Rückbildung von Schüben, also das Abflammen der Entzündungsherde, wird auch als Remission bezeichnet. Man spricht bei dieser Verlaufsform der MS, welche doch etwa 20 Prozent der Erkrankten teilen, vom schubförmig remittierendem Verlauf Die häufigste Verlaufsform der Multiple Sklerose wird chronisch progredient genannt, was bedeutet, dass auf lange Sicht hin eine Zunahme der Schübe erfolgt und der Rückgang der Symptome abnimmt infolgedessen mit einer Zunahme von Behinderungen zu rechnen ist. Eine ebenfalls vorkommende Verlaufsform ist die sogenannte primär chronisch progrediente bei der die Betroffenen keine Schübe erleben, sondern die Krankheit sich mit einer stetig zunehmenden Verschlechterung bemerkbar macht. Allen Verlaufsformen gemein ist die Unvorhersagbarkeit. So kann das Fortschreiten der Schübe aufhören und die Krankheit sozusagen für längere Zeit pausieren.

Therapieformen

Behandelbar sind akute Schübe mittlerweile recht gut. Gezielte Kortikoidbehandlungg kann die körpereigene Produktion von spezifischen Entzündungs- und Botenstoffen hemmen und den Übertritt von Entzündungszellen in den Körperkreislauf verhindern. Im Entwicklungsprozess steht weiterhin die Langzeittherapie. Da MS als eine Art der Autoimmunerkrankung angesehen werden kann, also als eine solche Erkrankung, bei der sich der Körper fälschlicherweise selbst angreift, wird bei einer Langzeittherapie versucht, das Immunsystem mit verschiedenen Botenstoffen auszutricksen. Doch die Wirksamkeit einzelner Präparate kann nicht Verallgemeinert werden. Bei dem einen Patienten spricht ein Präparat in einer Form an, welches bei einem anderen Patienten mit ähnlichem Verlauf wiederum nicht wirkt. Bei dem einen bewirken die Medikamente eine Eindämmung der Schübe, bei dem anderen wiederum bleiben sie wirkungsfrei. Die Therapie ist folglich genauso wenig absehbar wie der Verlauf der Multiple Sklerose. Ungemein Wichtig ist die Unterstützung die ein Betroffener erfährt.

Gleiche Wünsche an ein erfülltes Leben wie nicht Erkrankte

Gerade für Familie und Freunde kann es sehr schwer werden, diese nicht klar abgrenzbare Krankheit des Liebsten zu akzeptieren. Doch ein stabiles Umfeld und ein geregelter Tagesablauf sind für Betroffene sehr wichtig. Zu einem erfüllten Leben gehört für fast alle Menschen neben der Familie auch das Ausüben von Sport und die Gewissheit einem Beruf nachgehen zu können.

MS führt nicht zwangsläufig zur Aufgabe von Freizeitaktivitäten oder einer Berufsunfähigkeit.

Selbstverständlich ist dies eine Verallgemeinerung und bei jedem unterschiedlich. Sollten Sie aber nicht gerade einen Beruf in großer Höhe ausüben wie zum Beispiel den des Dachdeckers oder einen, bei dem es sehr auf Konzentration und Feinmotorik ankommt, wie den des Chirurgen, so ist der Berufstätigkeit nichts entgegenzusetzen.

Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob Sie den Herausforderungen im Berufsleben gewachsen sind, teilen Sie Ihre Sorgen ihrem Arzt und gegebenenfalls ihrem Vorgesetzten mit. Sie müssen aber nicht erzählen, was Sie nicht erzählen möchten. Allerdings sollten Sie auch bedenken, kein Risiko für Ihre Mitmenschen zu sein. Manchmal reicht bereits das Verständnis von denjenigen, mit denen sie zusammenarbeiten oder eine Halbierung des Arbeitspensums um weiterhin berufstätig zu sein.

Gegebenenfalls ist auch eine Umschulung in Betracht zu ziehen. Dies kann ja vielleicht sogar zum eigentlichen Traumberuf (ver)führen.

 

Sorry, the comment form is closed at this time.